Liebe & Lust

Als ihre Freundin anfängt, Verschwörungstheorien zu verbreiten, glaubt Ute* noch, sie sachlich überzeugen zu können. Ein Irrtum.

Es muss zwei, drei Jahre her sein, da postete sie den Link zu einer Studie: “Anhänger von Verschwörungstheorien sind intelligenter!” Wer Medien wie Institutionen misstraue, hieß es darin, zeichne sich durch IQ und kreatives Denken aus. “Das ist für alle, die meine Weltsicht kritisieren!”, schrieb Monika* mit Zwinker- Emoji. Ich fühlte mich angesprochen.

Aber von vorne. Sie und ich kennen uns seit Jahrzehnten. In verrauchten Bars redeten wir uns über Literatur, Gesellschaft und Beziehungen die Köpfe heiß. Ihr Leben war ganz anders verlaufen als meines. Doch politisch bewegten wir uns in einem ähnlichen Spektrum, dachte ich jedenfalls. Eher links, kritisch, sozial.

Im Netz eine andere Person

Vor ein paar Jahren dann legte sich Monika einen Social-Media-Account zu und zum ersten Mal dachte ich: Diese Frau im Netz, die kenne ich nicht. Manches erkannte ich noch wieder – etwa Sorgen um den Klimawandel –, anderes betrachtete ich verständnis- und hilflos bis bestürzt. Wie konnte sie die deutsche Regierung verdächtigen, sie unterstütze einen Krieg in der Ukraine? Oder einen Freund der “Reichsbürger” verteidigen: “Xavier Naidoo soll nicht beim Eurovision Song Contest singen? Das ist ja wie Auftrittsverbote in der DDR!”?

Ich hielt dagegen. Unsere Online-Diskussionen fraßen täglich mehr Zeit. Ich dachte: Ihr fehlt nur die richtige Einordnung. Es war ja nicht so, dass sie die Erde für eine Scheibe hielt oder Angela Merkel für einen Echsenmenschen. Schließlich lud ich sie zu Rotwein und Offline-Gespräch. Und merkte zum ersten Mal, was es bedeutet, mit Verschwörungstheoretiker*innen zu diskutieren: Es ist, als wollte man einen Fisch unter Wasser mit bloßen Händen fangen. Auf jedes Argument haben sie fünf Gegenargumente, angeblich aus Quellen, die “den Mächtigen” nicht passen. Der härteste Faktencheck nutzt nichts, wenn dein Gegenüber alles für gekauft und manipuliert hält, das nicht in sein Weltbild passt. Monika ist überzeugt, dass es jede Menge geheime Absprachen gibt, zwischen Staaten, Militär, Medien, Konzernen. Einen großen Plan.

Versuch Gehirnwäsche

Beim dritten Glas Rotwein ging mir auf: Auch sie hatte wohl gehofft, mich auf die richtige Spur zu bringen. Trotzdem verabschiedeten wir uns herzlich. Danach fühlte ich mich wie gehirngewaschen. Dennoch war ich entschlossen, unsere Freundschaft zu retten. Auch wenn wir nur noch über Reisen, Sport oder Bücher reden konnten.

Mittlerweile weiß ich, dass das nicht geht. Der Riss führte durch fast jedes Thema, der Elefant im Raum wurde zu groß. Verabredungen wurden seltener, auf Social Media hörten wir auf, einander zu kommentieren. Das merkt sich der Algorithmus, deshalb bekomme ich ihre Beiträge kaum noch angezeigt. Als es neulich doch mal passierte, las ich: “Masken nehmen unseren Kindern die Luft zum Atmen!” Einen Moment lang habe ich überlegt, sie zu entfreunden. Und es dann doch gelassen. Sie hat mir ja nichts getan. Aber die Hoffnung, ihr Weltbild ins Wanken zu bringen, habe ich aufgegeben.

*Namen geändert

Wie man mit Verschwörungstheoretiker*innen redet

Suchen Sie das Gespräch und hören Sie zu. Machen Sie sich nicht über Ihr Gegenüber lustig.

Bleiben Sie sachlich und bei den Fakten. Eine Anleitung gibt die Broschüre “Verschwörungs­ideologien und Fake News – erkennen und widerlegen” des Vereins “Der goldene Aluhut” (dergoldenealuhut.de).

Versuchen Sie herauszufinden, was hinter dem Glauben an eine Verschwörungstheorie steckt. Oft ist es ein Bedürfnis nach Kontrolle, ausgelöst durch Unsicherheit oder Angst. Nehmen Sie diese ernst und suchen Sie gemeinsam nach Lösungen.

Wenn man mit Fakten nicht weiterkommt, rät der Rechtspsychologe Dr. Roland Imhof zu einer Metaebene: “Beide Seiten sollten sich fragen: Was könnte denn gegen meine Theorie sprechen?” So könne man Zweifel und selbstkritisches Hinterfragen anstoßen.

Oft sagen wir: Was kann ich schon tun? Doch es liegt mehr in unserer Macht, als wir denken.

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Seit Jahren streitet sich Susanna* mit ihrem Ex um die gemeinsame Tochter. Sie weiß, dass er gewalttätig ist und dass das Kind zu ihr will. Doch vor Gericht zieht sie immer wieder den Kürzeren.

Als Leonie* noch ein Baby war, bat ich ihren Vater eines Abends, in seine eigene Wohnung zu gehen. Tom* und ich waren nur wenige Monate zusammen gewesen, nun teilten wir uns das Sorgerecht. Aber Tom war gekränkt. Weil ich mich getrennt hatte, und weil ich ihn nun aufforderte zu gehen. Ich erklärte, dass ich nur Ruhe brauchte, da schlug er schon mein Gesicht gegen die Wand.

Wie es begann

Zwei Polizisten kamen und sahen eine verheulte Mutter mit Baby und zittriger Stimme, ohne nachweisbare Verletzungen. Und einen Mann, der peinlich berührt mit den Augen rollte. Die Polizisten zuckten mit den Schultern und gingen wieder. Ich blieb schockiert zurück. Tom hatte mir gezeigt, dass er mir wehtun kann – und vor allem dass mir niemand glauben wird.

Von da an ließ er mich nie mehr in Ruhe, beleidigte mich bei den Übergaben, zeigte mich wegen Körperverletzung an, weil ich Leonie gegen Masern impfen ließ. Oft dachte ich: Was er da macht, ist völlig lächerlich. Ich habe versucht einzulenken, Zugang zu ihm zu finden, Beratungsgespräche für Familien und Mediationen bei verschiedenen Stellen angeschoben. Nichts half.

Ein Hoffnungsschimmer

Als Leonie fünf war, zogen wir raus aufs Land in ein schönes Häuschen. Bei unserem ersten Spaziergang dort holte ich tief Luft, mein Brustkorb entkrampfte. Ein Aufatmen. Tom und ich hatten uns geeinigt: Ich bekomme das vorläufige Aufenthaltsbestimmungsrecht, Leonie besucht ihn alle zwei Wochen. Es funktionierte – bis sie an einem Wochenende nicht zurückkam. Stattdessen Schreiben vom Gericht und Toms Anwalt: Das Sorgerecht wird neu verhandelt, weil ich Tom das Kind entzogen hätte und bindungsintolerant sei – also die Bindung zwischen Vater und Kind sabotiere.

Ich geriet in Panik und zog zurück in die Stadt. Trotzdem sollte Leonie beim Vater bleiben. Die Begründung: Kontinuitätsprinzip, sie solle zur Ruhe kommen. So eine schreiende Ungerechtigkeit! Ich fühlte mich alleingelassen und ungeschützt. Kurz danach erzählte mir Leonies Erzieherin, dass meine Tochter aufgehört hatte zu sprechen und ein trauriges Mädchen geworden war. Und ich durfte gar nichts für sie tun! Diesen Schmerz werde ich niemals vergessen.

Lügen über Lügen

Tom kann charmant sein, gut mit Worten umgehen. Zum Jugendamt und dem gerichtlichen Gutachter sagte er, ich hätte eine Borderline-Persönlichkeitsstörung – die “Diagnose” wurde amtlich notiert. Wie kann das sein? Und wie beweist man einem Gericht, dass man mental gesund ist? Dass man aber natürlich mental belastet wird von einem Justizsystem, das einen zermürbt.

Ich schickte Gegengutachten von zwei Psychologie-Professoren sowie Leonies Psychiaterin: Alle empfahlen, sie wieder bei mir wohnen zu lassen. Das Gericht hat die Dokumente “zur Kenntnis” genommen. Mehr nicht. Ich brach zu Hause zusammen, schrie und weinte. Wie kann alles nur so verdreht werden? Da dachte ich das erste Mal: Ich kann nicht mehr. Aber jemand muss meiner Tochter doch beistehen! Ich begann, zu Hause Jura zu studieren, und nahm Kontakt auf zu Müttern in ähnlichen Situationen.

Die Folgen zeigen sich jetzt schon

Leonie ist jetzt elf, ihr Leid mittlerweile symptomatisch: Depressionen, Neurodermitis, Suizidgedanken. Sie ist schon mehrfach zu mir geflohen. Erstmals als Tom sie in einem heftigen Streit gewürgt hatte. Ihre Psychiaterin hat das beim Jugendamt zur Anzeige gebracht. Tom behauptet dagegen, er sei lediglich mit dem Arm an ihren Hals gestoßen. Als wir zur Polizeiwache gingen, um eine Aussage machen, rissen mehrere Polizisten Leonie von mir weg, um sie ihm zu übergeben. Er hatte einen Herausgabebeschluss erwirkt. Allmählich wurde mir klar: Je mehr ich mich wehre und versuche, Leonie zu beschützen, desto größer wird seine Rache.

Hoffnungslosigkeit

Das letzte Mal floh Leonie im September. Wir hatten uns drei Wochen nicht gesehen, ihr Vater erwirkt gerade ein Kontaktverbot gegen mich. Wir hielten uns in den Armen, als er meine Wohnungstür eintrat, mir den Finger umdrehte und dabei den Knochen brach. Er schleifte uns beide nach draußen, wo alle uns sehen konnten. Leonie schrie, ich urinierte vor Angst, Tom schlug mir in den Bauch. Polizist* innen kamen, wedelten mit einem Dokument vom Jugendamt: Das Kind muss wieder zum Vater. Ich konnte nur noch meiner Tochter hinterherrufen: “Alles wird gut!”

Natürlich kann niemals alles wieder gut werden. Meine Tochter ist traumatisiert und muss damit leben. In drei Jahren kann sie selbst entscheiden, bei wem sie leben möchte. Ich habe nur Angst, dass sie so lange nicht durchhält.

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Gefühlt hat die Coronakrise mehr “zivile Ordnungshüter” hervorgebracht, als wir je zuvor in unserer Gesellschaft hatten. Aber ist das nur eine Wahrnehmung? Oder gibt es psychologische Hintergründe, die nahelegen, dass etwas daran ist? Wir haben eine Expertin gefragt.

“Warum tragen Sie denn keine Maske?”, “Und Sie alle sind ein Haushalt?”, “Guten Abend, Ordnungsamt, Ihre Nachbarn haben einen Verstoß gegen die Corona-Regeln gemeldet.”

Ob aus eigener Erfahrung oder der Erzählung von Freund*innen, Bekannten und natürlich den Medien: Vermutlich können die meisten Menschen mindestens eine wahre Begebenheit aus den vergangenen paar Monaten erzählen, bei der ein “ziviler Ordnungshüter” sich berufen fühlte, für Recht und Ordnung zu sorgen – notfalls sogar mit Gewalt. Galt für die Mehrheit der Deutschen vor der Pandemie das Motto “leben und leben lassen”, scheint die Coronakrise in nicht gerade wenigen das Gefühl bzw. die Überzeugung geweckt zu haben, sich einmischen zu müssen/ dürfen, wenn andere sich in einer Weise verhalten, die ihnen falsch erscheint. Ob durch freundliche Hinweise, energische Zurechtweisungen, Anzeigen oder Fäuste – viele Menschen wirken derzeit aktiv daran mit, dass nicht nur sie sich an die Corona-Regeln halten, sondern bitteschön auch die anderen.

Expertin erklärt: Diese Faktoren fördern das “Sheriff-Syndrom”

Messen oder in Zahlen ausdrücken lässt sich diese Beobachtung zwar kaum. Doch vielleicht kann man ja erklären, warum sich zumindest einige Leute ausgerechnet jetzt dazu berufen fühlen, sich als ‘zivile Ordnungshüter’ oder Sheriffs zu versuchen?  “Aus meiner Sicht kommen verschiedene Aspekte zusammen, die die beschriebene Situation befeuern”, sagt uns dazu die Hamburger Psychotherapeutin Andrea vorm Walde.

1. Psychische Instabilität

Einerseits lägen derzeit die Nerven vieler Menschen schlicht und ergreifend brach. Den meisten von uns fehlen derzeit Perspektive und Sicherheit, viele fühlen sich eingesperrt, haben keine Möglichkeiten, aus dem schnöden Alltag mal irgendwie auszuscheren. In dieser Situation “erreichen wir gerade nicht mehr so einfach eine innere Balance, mit der wir normalerweise Dinge kompensieren können, die uns stören”, erklärt die Therapeutin. Also nutzen wir andere Kompensationsmechanismen, um Kontroll- und Sicherheitsgefühl zurück zu gewinnen – und gehen zum Beispiel auf unsere Mitmenschen los …

2. Fehlende Ausweichmöglichkeiten

Ein anderer, rein praktischer, aber nicht zu unterschätzender Grund, warum nun womöglich mehr Leute die Konfrontation suchen, anstatt still und unbemerkt ihr eigenes Ding zu machen, sei laut Andrea vorm Walde, dass wir Störungen und Auffälligkeiten durch die lokalen Einschränkungen gar nicht aus dem Weg gehen können, damit also gezwungen sind, darauf zu reagieren.

3. Vorbilder

Ein dritter Punkt: “Viele Politiker*innen sowie andere Personen der Öffentlichkeit leben dieses Zurechtweisen, Kritisieren, Angreifen und Diskutieren vor. Einige Menschen fühlen sich dadurch berechtigt, im Kleinen genauso zu agieren”, so die Therapeutin. Auch dass die Stimmung in unserer Gesellschaft schon vor der Pandemie etwa durch die Einflussgewinne der AfD angespannter und aggressiver geworden sei, begünstige ihr zufolge gerade in einer von Angst und Ungewissheit geprägten Zeit konfrontatives, auf den Konflikt losgehendes, statt ausweichendes Verhalten.

4. Zum Teil berechtigt

Und zu guter Letzt: “Oft hat diese Art von ‘Zurechtweisungen’ auch ihren Hintergrund und ihre Berechtigung”, gibt Andrea vorm Walde zu bedenken. “Denn wenn z. B. Nachbar*innen, Gastronomiebetriebe etc. sich trotz wiederholter Bitten jeder Rücksicht entziehen, sind weitere Schritte ja nachvollziehbar. Ebenso kann man sicher auch Verständnis aufbringen, wenn Betroffene, die sich an Maskenpflicht und Einschränkungen halten, Ärger darüber entwickeln, dass andere Regeln und Gesetze ignorieren und die Allgemeinheit so vermutlich länger in die Einschränkungen zwingen. Ich denke, man muss das unterscheiden von einem klassischen Kontrollieren und Maßregeln anderer, was es natürlich auch gibt.”

Fazit: Sheriff-Syndrom kann als Kompensationsstrategie dienen

All diese Punkte können erklären, warum die ‘zivile Ordnungshüterei’ oder, wie wir es gerne nennen möchten, das ‘Sheriff-Syndrom’ nun tatsächlich präsenter in unserer Gesellschaft ist als vor der Pandemie. Konfrontatives Verhalten, der Versuch, die Dinge in Ordnung zu bringen, einmischen – all das kann Teil einer Kompensationsstrategie sein, mit der einige Leute auf die Krise reagieren. Allerdings ist es eine Typfrage und abhängig von unserer individuellen Situation, ob wir nun zum Sheriff mutieren, zur Verschwörungstheoretikerin oder zum nervenstarken Superheld, der wie durch ein Wunder alle Herausforderungen mit einem Lächeln auf den Lippen jongliert.

“Auf jeden Fall gibt es sehr unterschiedliche Kompensationsstrategien”, sagt die Therapeutin. “Natürlich gibt es gesündere und weniger gesunde, die dann entweder angemessen oder unangemessen werden.” Wo genau das Sheriff-Syndrom in einem Ranking der Kompensationsmechanismen einzuordnen wäre, hängt sicherlich von der konkreten Ausprägung ab. Auf andere Leute loszugehen, womöglich sogar mit Gewalt, ist unter keinen Umständen der richtige Weg. Doch still zu schlucken, wenn die Nachbar*innen nebenan mit 100 Personen Corona-Party feiern, eben auch nicht.

Bis die Coronakrise vorbei ist, werden wir wohl mit den Sheriffs in unserer Nachbarschaft oder uns selbst leben – sowohl mit den gemäßigten als auch den extremen. Und danach? Atmen wir hoffentlich alle gemeinsam erstmal ganz tief durch!

Source: https://www.brigitte.de

Im Gefühlstief versumpft? Und du findest einfach nicht heraus? Kann passieren! Mit diesen Tricks kannst du dir selbst helfen.

Negative Gefühle, schlechte Stimmungen, sogar hoffnungslose Lebensphasen gehören zum Menschsein dazu. Niemand ist immer gut drauf, motiviert und fröhlich (falls du wissen möchtest, warum, kannst du mal in unsere Artikel “Gefühle verstehen” und “schlechte Laune” schauen, darin gehen wir auf die Hintergründe ein). Doch wenn ein Tief zu lange anhält, besteht die Gefahr, darin steckenzubleiben und ohne Hilfe nicht mehr herauszukommen. Denn mit der Zeit verfestigen sich Denkmuster in unserem Gehirn und es wird immer schwerer, sie aufzubrechen. 

Deshalb sollten wir – sobald wir nur noch schlecht gelaunt aufwachen, immer alles schwarzsehen, kaum mehr lachen, ohne genau zu wissen, warum -, gegensteuern und der Negativität in unserem Fühlen und Denken aktiv Paroli bieten. Welche Methoden aus wissenschaftlicher Sicht – das heißt neurologisch und psychologisch – dabei am wirksamsten sind, hat die Therapeutin Doktor Tchiki Davis in “Psychologytoday” beschrieben.

6 Wissenschaftlich fundierte Methoden gegen das Gefühlstief

1. Positive Wörter

Das Gehirn ist zwar kein Muskel, funktioniert aber in mancherlei Hinsicht ähnlich: Zum Beispiel können wir es durch Wiederholung trainieren. Was wir nämlich oft machen bzw. denken, braucht weniger Energie, und mit der sparsam umzugehen, ist eine der obersten Prios des unförmigen Rechengenies in unserem Schädel. Um unserem negativen Gedankenzirkel etwas entgegenzusetzen, sollten wir daher laut Davis mindestens einmal am Tag ein positives Konzept in uns aktivieren, indem wir an ein Wort denken, das positiv behaftet ist – zum Beispiel Charisma, Freude, Begeisterung, Glück, Schönheit, Erfolg … Genauso gut können wir uns morgens nach dem Aufstehen eine Reihe solcher Wörter überlegen und sie abends vor dem Zubettgehen noch einmal abklappern. Klingt banal, soll es aber laut der Expertin mit der Zeit leichter machen, mehr Positives zu sehen und zu denken.

2. Negative Denkmuster umkehren

Wenn uns alles doof erscheint, liegt die Ursache dafür meistens (auch) in unserem Innern. Womöglich haben sich in unserem Denken Gewohnheiten etabliert wie 

  • immer mit dem Schlimmsten zu rechnen
  • in allem nur das Negative zu sehen
  • Positives herabzuwerten

Solche Muster lassen sich laut Davis am besten aufbrechen, indem wir sie erstens natürlich aufspüren und zweitens ins Gegenteil verkehren, d. h. gezielt …

  • uns vorstellen, was das Beste ist, das passieren könnte
  • das Positive in allem suchen 
  • überlegen, was an dem Positiven in einer Situation besonders wichtig oder wertvoll ist.

3. Fantasie nutzen

Selbst die kleinste positive Gefühlsregung kann in einem Tief Kraft und Hoffnung geben und einen Aufwärtstrend in Gang setzen. Und positive Emotionen können wir auch mithilfe unserer Fantasie auslösen. Stellen wir uns etwa vor, wie wir unser Lieblingsessen essen, unseren Lieblingsmenschen treffen oder an unserem Lieblingsort sind, holt uns das einerseits kurzzeitig aus unserem Loch – und bringt uns andererseits einer generell positiveren Gefühlslage ein Stückchen näher.

4. Schöne Dinge tun

Wenn wir unglücklich sind, sollten wir etwas tun, das uns glücklich macht – äh, ja, da hätte man auch selbst drauf kommen können. Spazierengehen, mit einer Freundin telefonieren, Sport, kochen, lecker essen – jede Aktivität, bei der wir uns gut fühlen, hilft. Außerdem können wir uns damit vom Grübeln und Nachdenken, den zwei Haupttreibern von Negativität, ablenken. Auch Entspannungsmethoden wie Musik hören, Meditation und Atemübungen bieten sich als Wohlfühlaktivitäten an.

5. Die Kontrollfrage stellen

Bei vielen Menschen spielt ein gestörtes Verhältnis zum Thema Kontrolle eine Rolle, wenn sie sich dauerhaft schlecht fühlen. Manche fühlen sich komplett machtlos und fremdbestimmt und leiden unter ihrer empfundenen Ohnmacht, andere fühlen sich für alles verantwortlich und sind dadurch überfordert. Beide Wahrnehmungen sind offensichtlich extrem und ungesund. Wer sich ohnmächtig fühlt, sollte sich bewusst die Dinge vor Augen halten, die er kontrollieren kann. Wer sich dagegen für alles verantwortlich fühlt, müsste sich mehr auf die Dinge konzentrieren, auf die er nun einmal keinen Einfluss hat. So können wir unsere Sichtweise relativieren und eine gesündere Einstellung zu unserem Herrschaftsbereich und dessen Grenzen entwickeln.

6. Dankbar sein

Dass Dankbarkeit positives Denken und Fühlen trainiert, ist bekannt und erwiesen. Wie es in der Praxis funktioniert, kannst du in unserem Erfahrungsbericht “Ich war ein Jahr jeden Tag dankbar” nachlesen.

Source: https://www.brigitte.de

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