Zurückweisung kann die Hölle sein – weil wir uns so wertlos fühlen. Die gute Nachricht ist: Die Gründe liegen meist gar nicht bei uns.  

Zurückweisung gehört zum Leben dazu – und sie tut immer weh. Das beginnt bei der euphorisch verschickten WhatsApp-Nachricht, die ignoriert wird, bei der Kollegin, die immer nur mit der anderen zu Mittag isst, dem Partner, der lieber aufs Handy schaut statt in unsere Augen. In der Kindheit war es das Brennballspiel, für das man als letzte in die Mannschaft gewählt wurde. Man betrat das Spielfeld mit schmerzendem Herzen und dem demütigenden Gefühl, maximal zum Restposten zu taugen. Was wir nicht bedachten: Bei jedem einzelnen Spiel gibt es jemanden, der zuletzt gewählt wird. Es trifft immer jemanden, nicht nur dich.  

Noch schlimmer ist es, den Job nicht zu bekommen, für den man so brennt, oder gekündigt zu werden, obwohl man alles gegeben hat. Am verheerendsten ist das Verlassenwerden – ein bisschen wie ertrinken, so beschreibt es BRIGITTE-Paartherapeut Oskar Holzberg. Es ist die ultimative Zurückweisung durch den wichtigsten Menschen, dem man sich in weiten Teilen gezeigt hat, wie man ist – und der einen jetzt nicht mehr will.

It’s not a match!

Fast immer suchen wir die Schuld bei uns: Wir haben uns falsch verhalten, unverzeihliche Fehler gemacht, sind nicht gut genug für den anderen, haben (mal wieder) versagt, sind nicht liebenswert. Doch das ist der falsche Ansatz, um zu verstehen, was passiert ist. Denn die Gründe für die Zurückweisung liegen niemals (nur) bei uns.

Jeder Mensch trägt seine eigene Geschichte und seine Wunden mit sich herum – wir selbst, aber auch unsere Partner:innen, Freund:innen, Vorgesetzten. Wenn sie uns auf die eine oder andere Art zurückweisen, liegt der Grund oft bei ihnen selbst. Und manchmal sind wir einfach kein gutes Match. Deshalb sollten wir aufhören, Ablehnung und Zurückweisung persönlich zu nehmen. Wir sollten versuchen, uns nicht selbst zu zerfleischen, sondern viel mehr analysieren, was passiert ist. 

Es gibt zum Beispiel Menschen, die verlassen den:die Partner:in aus Angst, selbst verlassen zu werden – die einen, sobald es Probleme gibt, die anderen, sobald die Beziehung verbindlich wird. Oder man bekommt den Job nicht, weil man nicht in die Quote passt oder der potenzielle neue Vorgesetzte fürchtet, dass man ihm überlegen ist. Es lag nicht an der eigenen Unfähigkeit.

Warum Ablehnung so weh tut

Der Schmerz über das Gefühl, nicht erwünscht zu sein, ist deshalb so massiv und existenziell, weil das Leben in der Gruppe unseren Vorfahren überlebenswichtigen Schutz bot, darin ist die Forschung sich weitgehend einig. Wer von der Gemeinschaft zurückgewiesen oder ausgestoßen wurde, hatte kaum Überlebenschancen. Und auch wenn wir heute in unseren beheizten Wohnungen mit dem dicken Versicherungspaket in der Schublade allein überleben können, wirkt soziale Ablehnung im Gehirn immer noch so real wie physischer Schmerz.

Das Schlimmste: Zu sich selbst Nein zu sagen

Weil der Schmerz so stark ist, lassen sich viele von der Angst vor Ablehnung lähmen – sie bewerben sich erst gar nicht auf den Traumjob oder gehen der Person aus dem Weg, die sie fasziniert. Der Amerikaner Jia Jiang wollte das nicht länger hinnehmen und setzte sich einer “Ablehnungstherapie” aus: 100 Tage lang hat er sich bewusst in Situationen begeben, in denen er mit einer Zurückweisung rechnen musste (z.B. sich 100 Euro von einem Fremden zu leihen). Gelernt hat er Folgendes: Der Spruch “Das Schlimmste, was sie sagen können, ist Nein”, ist nicht wahr. Richtig ist: “Das Schlimmste, was sie sagen können, ist ‘Er hat nicht mal gefragt’. “Denn das bedeutet, dass ich zu mir selbst Nein gesagt habe”, schreibt Jiang als Fazit auf seinem Blog Rejectiontherapy.com.

Das Positive an der Zurückweisung

Hinzu kommt: In der Rückschau sehen wir meistens, dass eine Zurückweisung uns passendere Alternativen ermöglicht hat. Wenn man auf die Jobs zurückblickt, die man nicht bekommen hat, oder auf die Partner:innen, die das Weite gesucht haben – dann sehen wir irgendwann, dass dadurch Gelegenheiten und Erfahrungen möglich geworden sind, die noch kostbarer und wegweisender für uns waren. Wenn man ein Nein bekommt, sollte man gespannt sein – auf das passendere Ja, das irgendwann irgendwo wartet.

Quellen: Der Beobachter, Elephant Journal, Psychology Today

Source: https://www.brigitte.de

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