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Ihr Freund hatte sich auf TikTok eine Community aufgebaut, vernachlässigte darüber aber die Beziehung: Das machte eine junge Frau so wütend, dass sie den Followern ihres Partners die Wirklichkeit hinter seinen Posts präsentierte.

Dass längst nicht alles stimmt, was im Internet zu lesen und zu sehen ist, ist längst Allgemeinwissen – oder sollte es zumindest sein. Viele Influencer aber haben die Selbstdarstellung im Netz in den vergangenen Jahren noch einmal auf eine andere Ebene gehoben: Sie präsentieren online ihr Leben, ohne dass ihre Follower wissen können, wie die Realität dahinter wirklich aussieht. Diese bittere Erfahrung musste auch die Freundin eines aufstrebenden TikTok-Users machen.

Auf der Plattform Reddit erzählte sie ihre Geschichte. Die nach eigenen Angaben 20 Jahre alte Frau ist seit zwei Jahren mit einem 21-jährigen Mann liiert, der sich auf TikTok eine halbwegs große Followerschaft aufgebaut hat. Ihr Freund sei mit kurzen Videos auf der App immer erfolgreicher geworden, berichtet sie. Was als Hobby begann, habe ihn aber immer mehr in Anspruch genommen – auch weil er sich große Ziele setzte. Er wollte unbedingt die 100.000 Follower-Marke knacken.

Influencer prahlt auf TikTok mit seiner Beziehung

Dafür investierte ihr Freund neben seinem Studium bis zu sechs Stunden täglich in das Erstellen und Bearbeiten der Videos. Da seine Freundin tagsüber arbeitet, konnten die beiden kaum noch Zeit miteinander verbringen. Das allein machte die Autorin des Beitrags schon traurig, doch was sie dann auf dem Account ihres Freundes sah, verärgerte sie. Er hatte ein Video hochgeladen, in dem er seinen typischen Tagesablauf zeigte.

Der Clip sei “ziemlich zutreffend” gewesen, schreibt seine Freundin, stellte die Wirklichkeit in einem Punkt aber geschönt dar: Von 16 bis 20 Uhr würde er Zeit mit seiner Freundin verbringen. “Das hat mich etwas verletzt”, schrieb die Frau auf Reddit. “Ehrlich gesagt kann ich mich nicht erinnern, wann er zuletzt mehr als eine halbe Stunde mit mir verbracht hat. Von vier Stunden ganz zu schweigen.”

Rache der Freundin kostet eine Menge Follower

Deshalb überlegte sie sich einen Racheplan – und wollte ihren Freund mit seinen eigenen Waffen (sprich: einem TikTok-Video) schlagen. Sie erstellte selbst einen Clip, der sich am Video ihres Freundes orientierte, in dem aber zahlreiche Textnachrichten zu sehen waren, mit denen er sie in den vergangenen Monaten vertröstet und versetzt hatte. Der Plan ging auf: Viele Menschen sahen ihr Video, ihr Freund wurde von anderen Usern scharf kritisiert und verlor eine Menge Follower. 

Nun herrscht dicke Luft bei dem Paar: Ihr Freund sei wirklich sauer, berichtet die 20-Jährige, sie hätte zuerst mit ihm reden sollen. Zu ihrer Verteidigung bringt sie zwar vor, dass sie wütend darüber gewesen sei, dass ihr Freund die Beziehung “benutzt” habe, um online bei seiner Community zu punkten: “Im realen Leben hat er keine Mühe in die Beziehung gesteckt.” Dennoch plagt sie auch das schlechte Gewissen: “Ich fühle mich schuldig, weil ich der Grund bin, warum er Follower verliert. Auf der anderen Seite glaube ich aber, dass das, was ich getan habe, gerechtfertigt war.”

Von der Reddit-Community möchte die junge Frau nun wissen, ob sie sich falsch verhalten hat. In dem Forum schlagen sich die meisten User jedoch auf ihre Seite. Ihr Freund habe für ein wenig Online-Ruhm gelogen und müsse sich der Wahrheit stellen. Und einen weiteren guten Rat haben die Reddit-User für den gescheiterten Influencer: Er solle doch mal eine TikTok-Pause einlegen und die Zeit mit seiner Freundin mitbringen.

Quelle: Reddit

Dieser Artikel erschien ursprünglich bei stern.de.

Source: https://www.brigitte.de

Judka Strittmatter hat sich auf Partnersuche unter Pandemiebedingungen gemacht und stellt fest: Auch das Online-Dating funktioniert nun anders. 

Auch wenn gerade alles ätzend ist, bin ich doch eher eine “Krise als Chance”-Apologetin – und deshalb diesem blöden Virus irgendwie auch dankbar. Es bringt zwar vieles zum Erliegen, was wir essenziell vermissen, und um die Folgeschäden ist mir bange, aber die richtigen Dinge legt es eben auch lahm: den Flugverkehr, den Massenkonsum, die Nichtachtung des Pflegepersonals (eine bessere Bezahlung wäre allerdings angebrachter).

Auch auf den Datingportalen stehen die Zeichen auf Entschleunigung

Es erzwingt Abstand, wo er schmerzt, aber auch an Stellen, an denen man froh darüber sein kann – in Supermärkten, in der Bahn, beim Yogakurs. Gedränge ist vorerst passé, distanzlose Wesen darf man endlich anknurren, und übellaunige Großstadt-Gesichter granteln in der Bahn weitgehend unbeachtet hinterm eigenen Vorhang. Geistig-seelische Hygiene ist jetzt wichtig, denn Vereinsamung und Budenkoller lauern überall. Und wie schützt man sich vor beidem? Vor allem mit Spaziergängen an der frischen Luft.

Und den Stadtpark abschreiten darf man eben auch mit einem unbekannten und eventuellem “Love Interest”. Dem ganzen Irrsinn, den wir jetzt durchleben, die Suche nach Liebe entgegenzusetzen: Das gefällt mir irgendwie. Obwohl ich bei Weitem keine Esoterik-Jüngerin bin, die sie als Heilmittel für alles sieht – für Flegel auf dem Fahrradweg genauso wie für Herpesblasen.

Meine Online-Dating-Erfahrungen sind noch dürftig, kurz vor dem ersten Lockdown legte ich los, obwohl ich mäßig motiviert war – die Überzahl der Schauergeschichten aus diesem Universum hielt mich zurück. Andererseits kenne ich auch tolle Paare, die sich dort gefunden haben. Und weil einem Beziehung nicht hinterhergetragen wird, muss man sich kümmern. Was der Lockdown für Zaudernde wie mich besonders verbessert hat: Auch auf den Datingportalen stehen die Zeichen auf Entschleunigung. Nicht bei den Anmeldungen und dem Datenfluss, da ging’s steil nach oben, sondern was Treffen vor der Haustür betrifft. Alles auf Abstand erst mal, Drängler und Schnell-zum-Ziel-Kommer wurden ausgebremst. Und das ist auch gut so.

Achtsame Beziehungsfindung steht hoch im Kurs

Vielleicht findet sich dank Corona die Romantik auf dem digitalen Liebesmarkt ein. Minnesänger werden da ja kaum geboren, Wisch und weg ist das Credo. Die Drosselung dieser fürchterlichen Unverbindlichkeit kommt meinen uncoolen Absichten sehr entgegen: Ich bin nämlich auf etwas Festes, etwas Schönes aus, mit ex und hopp ist bei mir nicht. Das gestehe ich natürlich auch den Männern zu. Das erfahrene, nicht mehr ganz so junge Herz fliegt längst nicht mehr so schnell wie noch mit Anfang 20 – das wissen wir doch alle. Außer es wird von Bedürftigkeit regiert. Ich brauche aber keinen Mann, ich hätte gern einen. Für mich ist das ein Riesenunterschied.

Und so genieße ich mit meinen Dates die Annäherung auf Distanz. Und da ist nicht nur der Park drin, man kann auch Galerien und den Zoo besuchen. Zoom macht es möglich. Ein Dinner kommt so auch infrage, und wer da ohne Murren mitmacht, ist schon mal nicht eingefahren. Am Bildschirm lässt sich zwar weder Brot noch Salz zuschieben, auch Füßeln fällt weg, aber einen anschickern kann man sich wunderbar – ohne Gefahr zu laufen, in fremdem Buntkarierten wach zu werden.

Das Prinzip achtsamer Beziehungsfindung steht also gerade hoch im Kurs. Und ich koste diesen Zustand weidlich aus. Denn wer jetzt bei gegenseitiger Anziehung nicht dranbleibt, ist auf keinen Fall krisenfest. Und wer weiß, welchen Notstand wir in Zukunft noch durchschreiten müssen.

Lernen aus der Krise

Judka Strittmatter ist gespannt, ob uns die Corona-Krise zu besseren Menschen macht. Weil harte Erfahrungen viele ja weiser und stärker werden lassen. 

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Source: https://www.brigitte.de

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