Empathie ist nicht gleich Empathie. Welche drei Typen Psycholog:innen üblicherweise unterscheiden, erfährst du hier.

Empathie ist eine wesentliche Säule unseres sozialen Miteinanders. Ohne sie würden wir uns wahrscheinlich andauernd missverstehen, wenig Rücksicht aufeinander nehmen und hätten riesige Schwierigkeiten, etwas zu verzeihen. 

Im alltäglichen Sprachgebrauch verwenden wir den Begriff zum Teil synonym, also gleichbedeutend, zu Mitgefühl, doch in der Psychologie bezeichnet Empathie etwas anderes beziehungsweise mehr. Der US-Psychologe Mark H. Davis hat in den 1980ern eine mehrdimensionale Betrachtungsweise von Empathie vorgeschlagen, die bis heute in der Wissenschaft zitiert und – in leicht veränderter Form – verwendet wird. In seinem Artikel Measuring Individual Differences in Empathy: Evidence for a multidimensional Approach unterschied Mark Davis ursprünglich vier Typen von Empathie. Folgende drei davon gelten als besonders wichtig und sind immer noch gebräuchlich, um das psychologische Phänomen der Empathie zu beschreiben.

Psycholog:innen unterscheiden drei Typen von Empathie – wie viele bist du?

1. Kognitiv

Kognitive Empathie-Typen, von Mark Davis mit dem Begriff Perspective Taking beschrieben, versetzen sich vor allem gedanklich in die Lage ihrer Mitmenschen. Emotional bleiben sie dabei vergleichsweise distanziert und eher bei sich. Sie verstehen und stellen sich vor, was andere durchmachen, ohne dass das eine Auswirkung auf ihre eigene Gefühlswelt hat.

2. Affektiv

Affektive Empathie-Typen, die Entsprechung bei Mark Davis lautet Personal Distress, fühlen mit anderen Menschen mit und spiegeln ihre Emotionen, sobald sie eine empathische Verbindung zu ihnen herstellen und sich in ihre Lage versetzen. Sie empfinden Freude, Trauer, Schmerz oder Wut aufgrunddessen, was andere durchmachen, und unabhängig davon, was in ihrem eigenen Leben und ihrer eigenen Gefühlswelt gerade vor sich geht. 

3. Sozial

Soziale Empathie-Typen, so schreibt der Psychologe Ronald E. Riggio bei psychologytoday, sind das, was wir im Alltagsgebrauch meist meinen, wenn wir von jemandem sagen, die Person sei empathisch. Sie verstehen die Lage, in der sich andere Menschen befinden, und können sich in diese hineinversetzen. Sie wissen und spüren auch, was ihr Gegenüber in dieser Lage fühlt, und teilen seine Emotionen insofern in einem gewissen Rahmen. Doch im Unterschied zu affektiven Empathie-Typen können sich soziale Empathie-Typen abgrenzen, ihre eigene Gefühlswelt wird nicht völlig von der des anderen vereinnahmt. Mark Davis bezeichnet diese Form der Empathie als Empathic Concern.

Welcher Empathie-Typ ist am besten?

Laut Psycholog:innen, und dieser Ansicht sind auch Mark Davis und Ronald E. Riggio, ist Empathie eine wesentlich menschliche Eigenschaft. Das heißt wir alle verfügen über ein gewisses Maß an Empathie, es sei denn, wir weisen ein außergewöhnliches Merkmal auf wie zum Beispiel Autismus oder eine psychopathische Persönlichkeit. In solchen Fällen kann das Empathievermögen von diesem Merkmal betroffen sein und abweichen.

In der Regel sind zudem alle drei beschriebenen Formen in uns angelegt. Bei manchen Menschen ist der affektive Typ stärker ausgeprägt, bei anderen der soziale oder kognitive, und meist bedingt die Situation, wie empathisch wir reagieren. Viele von uns werden zum Beispiel umso affektiver empathisch sein, je näher uns die Person steht, um die es in der entsprechenden Situation geht. Und je intensiver ihre Gefühle sind. Wenn wir selbst schon einmal eine ähnliche Situation erlebt haben, kann das dazu führen, dass wir entweder besonders affektiv empathisch reagieren, weil die Erinnerungen unser Mitfühlen verstärken, oder besonders kognitiv empathisch, weil wir uns intuitiv davor schützen, etwas Vergangenes erneut zu durchleben.

Jede Form der Empathie hat ihre Berechtigung und erfüllt in unserem sozialen Miteinander eine Funktion. Mit affektiver Empathie signalisieren wir unserem Gegenüber beispielsweise besonders viel Nähe, die soziale ermöglicht uns, einfühlsame, individuelle Ratschläge oder Unterstützung anzubieten, und dank kognitiver Empathie können wir andere gut einschätzen. Sicherlich sind wir alle manchmal drüber und manchmal drunter, das heißt, mal übertreiben wir es mit unserem Mitfühlen und mal dürfte es ruhig ein bisschen mehr sein. Der Spagat zwischen auf sich selbst achtgeben und für andere da sein, gelingt kaum einem Menschen immer auf Anhieb mit Leichtigkeit. Doch uns zu beobachten und zum Beispiel anhand des Drei-Empathie-Typen-Modells von Mark Davis zu erkennen, wie wir uns in welcher Situation verhalten (haben), hilft in der Regel dabei, diesen Spagat zu üben und irgendwann öfter und entspannter hinzubekommen. Bis dahin heißt es leben, ausprobieren auf das eigene Gefühl vertrauen – und auf die Empathie der anderen hoffen. 

Verwendete Quellen: psychologytoday.com, Measuring Individual Differences in Empathy: Evidence for a multidimensional Approach, karrierebibel.de

Source: https://www.brigitte.de

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