abgründen

In ihrem Podcast “BRIGITTE Bücher” sprechen die Kulturredakteurinnen Meike Schnitzler und Angela Wittmann über ihre Lieblingsbücher. In Folge drei geht es um Bücher, die man in der Corona-Zeit lesen kann.

Folge 5: Schicksalhafte Beziehungen – zwei Thriller über zwischenmenschliche Katastrophen

Für Folge 5 haben Angela Wittmann und Meike Schnitzler zwei Spannungsromane ausgesucht, die sich mit den Abgründen zwischen Mann und Frau beschäftigen: „Die Gefangenen“von Debra Jo Immergut und „Whisper Network“ von Chandler Baker.

Der Name der Autorin ist bereits ein Versprechen: Debra Jo Immergut. Ihr literarisches Debüt „Die Gefangenen“ lässt jedenfalls auf eine große Zukunft hoffen, es ist ein Psychothriller im besten Sinne, weil wir Zeuge werden, wie Gefängnispsychologe Frank und Miranda, die 52 Jahre hinter Gittern bleiben soll, während ihrer Therapiesitzungen eine hochmanipulative Beziehung eingehen. Er kennt sie von früher: Sie war sein Highschool-Schwarm, jetzt wird sie sein Schicksal. (Ü: Ulrike Wasel/Klaus Timmermann, 305 S., 20 Euro, Penguin)

„Whisper Network“ von Chandler Baker wurde in den USA als erster Me-Too-Thriller gefeiert. Es geht um erfolgreiche Juristinnen in Dallas, alles arbeitende Mütter, die sich gegen ihren übergriffigen Chef zur Wehr setzen. Doch dann stürzt dieser vom Balkon des Firmengebäudes und jede der Frauen gilt auf einmal als verdächtig. Trotzdem ist in diesem Buch die Krimihandlung eher nebensächlich, was besonders beeindruckt ist Bakers Schilderung des Spagats, in dem sich diese hochqualifzierten arbeitenden Mütter befinden, die ständig so tun müssen, als gäbe es ihre Kinder gar nicht. (Ü: Astrid Finke, 480 S., 20 Euro, Heyne)

Der Podcast: BRIGITTE Bücher

Im Podcast „BRIGITTE Bücher“ diskutieren die Kulturredakteurinnen Angela Wittmann und Meike Schnitzler alle zwei Wochen über ihre Lieblingsschmöker. Hör dir hier die fünfte Folge an.

Folge 4: Tief im Herzen von Amerika: Ein Western und eine Wiederentdeckung

Zwei vollkommen unterschiedliche Romane von US-Autorinnen haben sich Meike Schnitzler und Angela Wittmann für die neue Folge von BRIGITTE-Bücher ausgesucht: Die Wiederentdeckung „The Street – die Straße“, von Ann Petry und den Western „Herzland“ von Téa Obreht.

Als Ann Petry 1946 ihren ersten Roman veröffentlichte, war er eine Sensation. Eine Afroamerikanerin, eine Frau, schrieb über das Leben von Afroamerikanern, knallhart beobachtet, zornig, meisterhaft. Um die 1,5 Millionen Mal verkaufte sich „The Street“, die Geschichte einer jungen Mutter im Harlem der 40er-Jahre. Die schöne Lutie Johnson hat ihren Mann verlassen und mietet für sich und ihren achtjährigen Sohn Bubb eine heruntergekommene Wohnung in der 116. Straße in New York. Unbedingt möchte sie eine bessere Zukunft für ihr Kind, doch schnell muss sie feststellen, dass sie der fatalen Mischung aus Armut, Rassismus und männlicher Übergriffigkeit kaum entkommen kann. Gerade weil sie nicht bereit ist, jeden Preis zu zahlen, wird die Schlinge immer enger, die sich um sie und Bubb zieht. Ann Petrys wiederentdecktes Meisterwerk ist ein bis in jede Nebenrolle brillant besetztes Drama. Vom perversen Hausmeister, seiner grauen Maus von Mitbewohnerin, bis zur durch einen Brand entstellten Zuhälterin – in jeder Beschreibung zeigt Petry ihre Kunst als Erzählerin mit klarem Blick und tiefem Verständnis dafür, wie das Elend zuerst die Seele tötet. (Ü: Uta Strätling, 450 S., 24 Euro, Nagel & Kimche)

Angela Wittmann kann man eigentlich mich mit Western jagen, vielleicht liegt es an einer Überdosis Karl Mey, den ihr Vater immer zum Einschlafen vorlas. „Herzland“ hat aber schon jetzt einen Platz unter den Büchern, die sie immer wieder aufs Neue lesen will. Arizona um 1890, Nora kämpft gegen die Dürre, die ihre Farm und ihre Familie bedroht: Da kann man schon zur Furie werden, aber ihr Jüngster fürchtet eine andere Bestie. Er ist einem Wesen auf der Spur, auf das Téa Obreht, geboren 1985 in Serbien und über Zypern und Ägypten in die USA ausgewandert, bei ihren Recherchen wirklich gestoßen ist: ein Kamel im Wilden Westen. (Ü: B. Robben, 512 S., 24 Euro, Rowohlt Berlin)

Der Podcast: BRIGITTE Bücher

Im Podcast „BRIGITTE Bücher“ diskutieren die Kulturredakteurinnen Angela Wittmann und Meike Schnitzler alle zwei Wochen über ihre Lieblingsschmöker. Hör dir hier die vierte Folge an.

Folge 3: Lesen zu Zeiten von Corona – der Pandemie-Roman voller Lichblicke und 1200 Seiten Wälzer-Glück

Für die dritte Folge von BRIGITTE Bücher hat Angela Wittmann den Endzeitroman „Mein Name ist Monster“ von Katie Hale ausgesucht: Eine Frau mit dem Spitznamen „Monster“ hat eine Katastrophe überlebt, isoliert in einem Saatguttresor im arktischen Spitzbergen. Es gab einen Krieg mit Bomben, die mit einem Erreger verseucht waren. Eine tödliche Krankheit brach aus, gezüchtet im Labor. Hört sich jetzt vielleicht nicht eben aufmunternd an, ist aber lang nicht so eine düstere Dystopien wie Cormack McCarthys „Die Straße“. Und auch wenn das Setting ein bisschen so ist wie in der Serie „The Walking Dead“, dann sind hier wenigstens keine Zombies am Start. Die Toten sind tot. Und Monster ist sehr lebendig und ein Mensch, vor dem man keine Angst haben muss. Selbst wenn man ein junges Mädchen ist und neben Monster vielleicht die letzte Überlebende überhaupt… Es gibt ganz viel Güte in diesem Buch. Eine große Sehnsucht nach Nähe und Menschlichkeit, die erfüllt wird. Und damit Hoffnung. Sogar auf einen Neuanfang und eine bessere Welt. Und wie die 30-jährige englische Autorin das in ihrem Debütroman erzählt, das ist schon sehr besonders. Bei aller archaischen Wucht dieser Geschichte hat Katie Hale nämlich einen ganz eigenen Ton, eine poetische Zartheit, die eine tröstende Kraft entfaltet. Deswegen können wir gerade jetzt zu Zeiten von Corona ganz unerschrocken dieses Buch lesen.

Meike Schnitzler setzt auf 1200 Seiten Leseglück mit „Spiegel und Licht“ von Hilary Mantel: Acht Jahre mussten Fans von Mantels preisgekrönter Romanreihe über die Tudor-Zeit auf den finalen dritten Band warten. Zu spoilern gibt es nichts: Das historische Schicksal von Thomas Cromwell, dem engsten Berater von Heinrich XIII., ist kein Geheimnis (er wurde 1540 hingerichtet), aber wie die englische Autorin diesen Mann und seine Zeit, in der ein Leben nichts und die Macht alles zählte, auferstehen lässt, ist in gewohnter Manier sensationell. Kein Wunder, identifiziert sich Mantel doch mit ihrem Helden, der wie sie durch seine Intelligenz aus prekärer Herkunft in schwindelerregende Höhen aufstieg. Abstürzen wird Mantel kaum, der dritte Booker-Preis könnte demnächst kommen.

Der Podcast: BRIGITTE Bücher

Im Podcast „BRIGITTE Bücher“ diskutieren die Kulturredakteurinnen Angela Wittmann und Meike Schnitzler alle zwei Wochen über ihre Lieblingsschmöker. Hör dir hier die dritte Folge an.

Folge 2: Packende Historie und ein kurzer Familienroman mit Wums

In der zweiten Folge von BRIGITTE Bücher empfiehlt Angela Wittmann: „Vardø – Nach dem Sturm“ von Kiran Millwood Hargrave: Historisch verbürgt ist, dass am Weihnachtsabend 1617 ein Sturm die 40 Fischer der Insel Vardø verschlingt. Die Frauen bleiben zurück mit drei Greisen, den Kindern und dem Pfarrer. Der Roman erzählt, wie sie am nordöstlichsten Zipfel Norwegens ums Überleben kämpfen. Dass der Rand der Arktis auch das Ende der Zivilisation ist, zeigt sich dann 1621: Eine brutale Hexenjagd endet mit einem historisch verbürgten Prozess. In den Augen von Kirche und König wäre es schicklicher gewesen, die Witwen wären verhungert. Wer sein Leben selbst in die Hand nimmt, muss mit dem Teufel im Bunde sein. Oder hat den Sturm selbst beschworen? Kiran Millwood Hargrave setzt den Opfern ein literarisches Denkmal.

Meike Schnitzler hat „Der Sinn des Ganzen“ von Anne Tyler ausgesucht: Micah Mortimer ist ein etwas kauziger, mitteljunger Mann –  zu Hause führt er ein striktes Regime mit Staubsauger- und Bodenwischtagen, ansonsten rettet er mit seiner Computerfirma die Rechner alter Damen: „Wodurch ist er kaputtgegangen?“ – „Diese Frage sollte man im Zusammenhang mit Computern nie stellen.“ Micah selbst stellt auch keine Fragen ans Leben, aber als plötzlich ein junger Mann auf seiner Schwelle steht, der seinen Vater sucht, kommt Unordnung in das verlässliche Gefüge. Anne Tyler schafft es, einen auf den ersten Blick unspektakulären Typen in eine faszinierende literarische Figur zu verwandeln.

Der Podcast: BRIGITTE Bücher

Im Podcast „BRIGITTE Bücher“ diskutieren die Kulturredakteurinnen Angela Wittmann und Meike Schnitzler alle zwei Wochen über ihre Lieblingsschmöker. Hör dir hier die zweite Folge an.

Folge 1: Die besten zwei Romane dieses Frühlings übers Erwachsenwerden

Vor zehn Jahren hat Bestseller-Autor David Nicholls mit „Zwei an einem Tag“ die Welt zu Lachen und zum Heulen gebracht. Jetzt hat er in diesem Frühling einen neuen Roman über die allererste Liebe vorgelegt. Ein großartiges Buch, um in BRIGITTE Bücher – den Literaturpodcast zu starten, findet Meike Schnitzler, die „Sweet Sorrow“ des britischen Autoren ausgewählt hat: Junge aus schwierigen Verhältnissen trifft 1997 selbstbewusstes Mädchen aus der Mittelschicht bei Shakespeare-Theaterprojekt. Aus dieser knappen Konstellation macht der Nicholls in seinem vierten Roman eine hinreißende Coming-of-Age-Geschichte. Er erzählt von einer Zeit im Leben, in der alles möglich zu sein scheint, in der ein Sommer ewig dauert – und die große Liebe bestimmt noch länger. 

Angela Wittmann begeistert sich für Thomas Brussigs „Die Verwandelten“: Pubertiere waren Fibi und Aram schon, bevor sie nach einer „Challenge“ in der Waschanlage einer Tanke auf dem platten Land als Waschbären wieder rauskommen. Was dann kommt, ist eine tierisch lustige und sehr bissige Satire auf die menschliche Natur und den Hunger der sozialen und sonstigen Medien auf „Racoon Content“. 

Der Podcast: BRIGITTE Bücher

Im Podcast „BRIGITTE Bücher“ diskutieren die Kulturredakteurinnen Angela Wittmann und Meike Schnitzler alle zwei Wochen über ihre Lieblingsschmöker. Hör dir hier die erste Folge an.

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