abtörnend

Du liebst deinen Partner, er ist der Mann deiner Träume – und du willst Sex, aber nicht mit ihm? Mit diesem Dilemma bist du nicht allein.

Das Begehren in Beziehungen aufrechtzuerhalten, ist für die meisten Paare eine Herausforderung – in 20 Prozent der langjährigen Partnerschaften findet gar kein Sex mehr statt, so schätzt man. Manche Paare arrangieren sich damit und vermissen nichts, andere leiden darunter: einer will Sex, das Gegenüber aber nicht.

Sex mit einem anderen – die Lösung?

Es gibt jedoch noch eine weitere schwierige Konstellation: Man selbst sehnt sich nach Sex, aber eben nicht mehr mit dem Liebsten. Es geht nicht darum, dass man einen anderen Mann begehrt oder sich fremdverliebt hätte. Aber man macht sich Sorgen, dass man sich bei nächster Gelegenheit in eine Affäre stürzen könnte, die die Beziehung gefährdet oder sogar zerstört.

Man sehnt sich nach körperlicher Liebe – aber eben nicht nach ihm

Die amerikanische Psychologin Dr. Marianne Brandon hört solche Klagen häufig von ihren Klient*innen, wie sie im New Yorker Magazin “Psychology Today” schreibt. Und sie weiß: Es gibt keine einfachen Lösungen für dieses Problem, sofern man keine Trennung oder offene Beziehung will, aber auch nicht zölibatär leben möchte.

Die gute Nachricht ist: Es liegt nicht an uns

Brandon weiß aber, woran es liegt, dass das Begehren für den Partner nachlässt. Der Grund für unsere Lustlosigkeit im heimischen Bett liege in unserer Natur:

Wir sind nicht dafür gemacht, über Jahre Lust für dieselbe Person zu empfinden.

Der Zweck von Leidenschaft ist es nicht, zwei Menschen auf Dauer zu verbinden, sondern lediglich die Fortpflanzung der Spezies zu sichern. Sobald das Ziel erreicht ist (oder sich über längere Zeit kein Nachwuchs einstellt), nimmt das Verlangen nach dem Partner ab. Die sexuelle Lust aber bleibt unabhängig davon bestehen – das merken wir spätestens dann, wenn wir uns im Bett eines Liebhabers wiederfinden oder nach einer Trennung sexuelle Höhenflüge mit einem neuen Partner erleben.

Dieses Wissen entlastet: Es liegt nicht an ihm oder an mir, wenn das Begehren versiegt, niemand hat Schuld, weder ich noch mein Partner. Zwar neigen Paare dazu, Erzählungen zu entwickeln, warum es im Bett nicht mehr läuft: Weil der andere sich gehen lässt; weil beide zu gestresst sind; oder weil man den Pornokonsum des Partners als abtörnend empfindet. Doch auch, wenn solche Gründe tatsächlich eine Rolle spielen, ändert das laut Brandon nichts an der Tatsache, dass die Natur etwas anderes will als wir.

Was können wir also tun?

Den Partner für unsere Libido verantwortlich zu machen, bringt uns nicht weiter. Was hilft, ist laut Brandon, einander die innersten sexuellen Wünsche zu zeigen und dabei echte Intimität zu schaffen. Das ist zwar riskant, weil schambesetzt, aber es kann gelingen, wenn man drei Punkte beherzigt:

  1. Sich wirklich zu zeigen, ist weniger bedrohlich, wenn man das gemeinsame Abenteuer im Vorfeld bespricht. So fühlt man sich weniger verletzlich, wenn man sein Innerstes offenbart, und der Liebste wird nicht überrascht oder gar eingeschüchtert.
  2. Wieder lernen, auf die eigenen Empfindungen zu hören – das heißt, den Gedanken weniger Raum zu geben und mehr auf den Körper zu achten. Dazu gehört etwas Übung, denn unsere Gedanken sind laut.
  3. Die meisten Menschen trauen sich nicht, ihre Fantasien ans Licht zu holen, weil die Scham zu groß ist. Versucht, ihr weniger Raum zu geben – der Vorteil einer langen Beziehung ist ja, dass man sich (ver)trauen kann.

 

Hast du Lust, mehr zum Thema zu lesen und dich mit anderen Frauen darüber auszutauschen? Dann schau im “Beziehung im Alltag-Forum” der BRIGITTE-Community vorbei!

Source: https://www.brigitte.de

Ads