anders

Sie rechnete mit Empörung, Protest und Hungerstreik. Doch als die Schriftstellerin Alexa Hennig von Lange eine Woche lang für ihre Familie vegetarisch und nur mit saisonalen und regionalen Produkten kochte, um den Klimaschutz in der Küche zu erproben, erlebte sie eine Überraschung.

Ich plane einen Selbstversuch. Eine Woche lang werde ich ausschließlich mit regionalem und saisonalem Gemüse kochen. Und das im Vorfrühling. Die Zutaten sind logischerweise begrenzt: Kohl, Kartoffeln und Wurzelgemüse, wie soll ich daraus bitte mehrere Tage hintereinander köstliches Essen machen? Ich bin jetzt schon am Limit mit meinem Einfallsreichtum. Ich arbeite. Ich habe drei kleine und zwei große Kinder. Ich habe einen Mann.

Mein Leben ist in lauter Zeitfenster eingeteilt, in denen möglichst alles reibungslos klappen sollte. Da ist es na­tür­lich hilfreich, dass ich seit Jahren die immer gleichen fünf Gerichte koche, die in einer halben Stunde fertig sind und allen schmecken: Nudeln mit Pesto. Milchreis. Kartoffelbrei, Tiefkühlerbsen mit Fischstäbchen. Pfann­kuchen mit Apfelmus oder Hühnerfrikassee mit Champignons. Die Handgriffe beherrsche ich, so kann ich nebenbei noch Hausaufgaben betreuen, mir Geschichten aus der Schule und dem Kindergarten anhören oder mit meiner Mutter telefonieren.

Diesbezüglich ist mein Selbstversuch also ein echtes Wagnis. Ich befürchte, dass außer meinem Mann und mir niemand meine Gemüsekreationen essen wird. Ich kann mir nicht vorstellen, dass meine Kinder scharf auf Sellerie oder Rote Bete sind. Bisher gab es für sie das typische Rohkost-Angebot: Gurke, Paprika, Kirschtomaten. Damit ist es künftig vorbei. Diese drei sind zu dieser Jahreszeit richtige Klimakiller. Von meinen geliebten Avocados will ich gar nicht erst anfangen.

Ich befürchte, dass außer meinem Mann und mir niemand meine Gemüsekreation essen wird.

Ich habe die Sache mit meinem Mann durchgesprochen. Dass jetzt harte Zeiten anbrechen werden. Dass es von Montag bis Sonntag vermutlich nur fades Essen und schlechte Stimmung geben wird, weil ich überhaupt keine Ahnung habe, was ich aus der schmalen Auswahl zubereiten kann. Aber mein Mann freut sich drauf. Endlich mal wieder Risiko! Obwohl ich bei uns für das Kochen zuständig bin, kommt er gleich mit ein paar vegetarischen Kochbüchern an, die wir vor Jahren von Freunden bekommen haben. Toll, wirklich. Die Food-Bilder sehen fantastisch aus. Zum Sofort-Nachkochen – wären wir in Rente und hätten Zeit im Überfluss. Außerdem bestehen die Gerichte aus exotischen Zutaten, die weder saisonal noch regional sind. Wildreis in Auberginen-Hälften. Pomelo-Mango-Salat mit Koriandergrün. Ich besorge mir in einer Buchhandlung ein Kochbuch, das mir machbar erscheint: „Vegan. Saisonal. Regional. Einfache Rezepte für jeden Tag“.

Für den ersten Tag sind Kartoffel­ecken mit panierten Sellerieschnitzeln geplant. Unser täglicher Einkauf im Bioladen gestaltet sich gleich viel unkomplizierter als sonst. Anstatt mich zu fragen, ob ich tatsächlich nochmal Hühnerfrikassee mit Tiefkühlerbsen anbieten kann, packe ich einfach einen Sack Kartoffeln in den Wagen, eine Sellerieknolle, Dinkelpaniermehl, Eier und eine hübsch designte Dose Brathühnchen-Gewürzmischung, mit der ich die Kartoffelecken würzen werde.

An der Kasse freuen mein Mann und ich uns, wie schnell wir durch den Laden gekommen sind, ohne dieses ungute Gefühl, dass die Kinder sagen werden: „Schon wieder Hühnerfrikassee?“ Außerdem ist das regionale Gemüse viel günstiger als das Biofleisch, das wir sonst gekauft hätten. Tiefkühlerbsen sollen ja auch nicht ganz klimaneutral sein. Die Folienverpackung ist ohnehin heikel.

Auch vor meinem Selbstversuch habe ich mich mit der Öko-Thematik beschäftigt. Meine Geschwister und ich wurden sehr umweltbewusst erzogen. Unsere Eltern hatten einen großen Gemüsegarten, es wurde auf dem Markt eingekauft, wenig Fleisch gegessen und in jedem Zimmer das Licht ausgeschaltet, wenn niemand darin war, ganz zu schweigen vom Heizkostensparen. Wir Geschwister haben unterschiedlich darauf reagiert. Mit übermäßigem Fernsehkonsum, Shopping-­Lust, Fertignahrung oder schlicht mit Unverständnis. Als Jugendliche fanden wir diesen Öko-Fimmel übertrieben. Es war doch von allem genug da.

Als Mutter habe ich versucht, den goldenen Mittelweg zu finden zwischen modernem Konsumverhalten und Bioprodukten. Inzwischen sorgt die alltägliche Gehetztheit dafür, dass ich großzügiger mit meinen Vorsätzen geworden bin, also auch mal im Bioladen eine Fertigpizza gekauft habe – doch mit einem zunehmend unangenehmen Gefühl. Nur habe ich den Entschluss, mich wirklich ressourcenschonend zu verhalten, immer weiter in die Zukunft verschoben. Ich habe mir gesagt: „Das mache ich, wenn ich wieder mehr Zeit habe.“ Doch wann bitte soll das sein?

Jetzt. An diesem Spätnachmittag. An dem ich in der Küche stehe, während mein Mann mit den Kindern ein Bild an die Wand nagelt, für unseren Sohn irgendwelche Unterlagen einscannt und noch ans Telefon geht, als die Zahnarzthelferin anruft und fragt, warum ich heute nicht zum Kontrolltermin erschienen bin.

Ich wasche die Kartoffeln. Wie immer in Eile, mit dieser flachen Atmung, als würde die mir helfen, irgendwie schneller mit dem saisonalen und regionalen Gemüse fertig zu werden. Dabei müsste ich mich überhaupt nicht so stressen. Denn eigentlich ist nicht mehr viel zu tun. Nur den Ofen anstellen, die ungeschälten Kartoffeln achteln, die Sellerieknolle in ein Zentimeter dicke Scheiben schneiden, im Salzwasser zwei Minuten kochen. Die Kartoffeln in der Öl-Brathähnchen-Würzmischung schwenken und in den Ofen schieben. Anschließend die Selleriescheiben panieren und braten. Schon ist das regionale Essen ohne Fleisch fertig. Dazu gibt es noch einen schönen Kräuterquark mit Gewürzgurken. Als ich die Kartoffeln aus dem Ofen hole, ist mein 17-jähriger Sohn bereits vorbeige­kommen und hat anerkennend gefragt: „Was riecht denn hier so geil?“ Meine vierjährige Tochter wollte wissen: „Wann ist das Essen fertig?“ Und mein achtjähriger Sohn hat freiwillig den Tisch gedeckt und gesagt: „Toll, dass du mal was kochst, Mama.“

Ich habe meinen Mann mit ganz leerem Blick angeguckt. Ich dachte: „Hä? Ich koche doch jeden Abend? Und meistens erfülle ich auch noch Sonderwünsche! Wieso zählt das nicht?“ Mein Sohn: „Ich meine ja nur, es riecht so anders.“ Tja, was so ein Geflügel-Gewürz ohne Geflügel alles ausrichten kann. Das Kochen war sowieso viel unkomplizierter, als ich dachte. Bei vegetarischem Essen glaubt man ja automatisch, dass es entweder lasch schmeckt oder man so abgedrehte Superfood-Sachen kochen muss, die man sich aus fünfzig verschiedenen Läden zusammensuchen darf.

Stimmt aber nicht. Meine Bilanz nach dem ersten Tag: Die Kinder haben sehr viele Kartoffelecken mit Quark gegessen und gefragt, ob es die morgen wieder gibt. Unserem großen Sohn waren die Gemüseschnitzel doch zu „strange“ – meinen Mann und mich hat’s gefreut: So blieben mehr davon für uns. Zum Schluss – es ist wirklich wahr – hat meine sechsjährige Tochter mich umarmt und gemeint: „Mama, das war das beste Essen in meinem Leben!“

Mama, das war das beste Essen in meinem Leben!

Am nächsten Tag will ich wieder ein Gericht aus meinem neuen Kochbuch servieren: über Nacht eingeweichte Graupen mit Chinakohl. Dazu weich gekochte weiße Trockenbohnen und bereits im Sommer hergestellte Tomatensoße. Okay. Das Rezept können wir direkt knicken. Weder habe ich im Sommer Tomaten eingekocht, noch habe ich Graupen über Nacht eingeweicht.

Also entscheide ich mich, ganz eigenständig etwas aus dem Gemüse zu kreieren, das im Bioladen angeboten wird. Für uns soll es heute Goldrübchen mit Kartoffelgratin geben. Gold­rübchen kenne ich noch nicht. Aber ich finde, der Name klingt vielversprechend. Sie sehen leicht vertrocknet aus, also nehme ich an, sie sind regional. Als ich zu Hause nach dem Kartoffelgratin-Rezept in einem meiner ältesten Kochbücher suche, nämlich in dem von Wolfram Siebeck, nach dem mein Vater in den Achtzigern gern gekocht hat, fällt mir auf, dass es darin eine ganze Reihe saisonaler und regionaler Rezepte gibt. Nur sind sie nicht also solche gekennzeichnet. Offenbar war es damals total normal, nicht ausschließlich mit Produkten aus Übersee zu kochen. Unser Anspruch, ständig Paprika und Avocado zu kriegen, ist offenbar noch relativ neu. Ich blättere durchs Buch und erkenne viele Gerichte wieder. Mit einem Mal bin ich zurück in der Küche meiner Eltern, stehe neben meinem Vater am Herd. Ich helfe ihm, die Kartoffeln zu schneiden. Wir holen uns die selbst angebauten Kräuter von der Fensterbank. Ich glaube, dass mein Selbstversuch gar nicht so eine abgedrehte Sache ist. Sondern eigentlich etwas ganz Ursprüngliches, das wir in den letzten Jahrzehnten vergessen haben.

Und nun duftet es in meiner Berliner Küche so wie bei uns früher im Einfamilienhaus in Niedersachsen! Als Sellerie und Pastinaken noch nicht fremdartig waren. Meine Eltern haben uns damals gezeigt, was normal und passend ist für die Welt, auf der wir leben. Nur habe ich das noch nicht so verstanden.

Die in Butter geschwenkten Gold­rübchen mit Gratin kommen sehr gut an. Morgen werde ich noch ein Gericht von Wolfram Siebeck kochen: eine gedünstete Sellerieknolle mit feinem Rosenkohlmus und geschmorten Möhrchen. Und danach plane ich Semmelknödel mit glaciertem Schalotten-Karotten-Gemüse, eine Lauchquiche mit Apfelkompott und Gemüsesuppe mit Käse-­Grieß-Klößchen. Am Ende ist klar: Nur die gefüllte Sellerieknolle mochte außer mir niemand.

Gerade habe ich meinem Vater am Telefon von meinem Selbstversuch erzählt und mich für all das bedankt, was er mir beibrachte: uns nicht mehr zu nehmen, als gut für uns alle ist. Dinge selbst zu machen und dabei mit dem auszukommen, was die Natur gerade hergibt. Denn das ist eigentlich vollkommen ausreichend. Und überhaupt nicht fade.

Auch das Kochen ist wieder spannender geworden, weil mit einem Mal die gesamte Familie Freude daran hatte, mitzuhelfen. Die Kinder haben Routine beim Gemüseschnippeln entwickelt. Und es war jeden Tag richtig Klasse, zu probieren. Weder für meine Familie noch für mich fühlte sich der Verzicht auf Fischstäbchen und Tiefkühlerbsen wie ein Verlust an. Viel mehr wie ein Geschenk. Denn ich habe bewusster gekocht, ohne flache Atmung, wir haben gemeinsam den Tisch gedeckt und feierlicher gegessen. Am vierten Tag haben wir sogar selbst Kartoffelbrot gebacken. Anstatt zu basteln, backen wir jetzt jeden Sonntag ein Kartoffelbrot. Weniger Fleisch und Fertigprodukte essen wir auch. Außerdem fühlen wir uns naturverbundener, geerdeter. Tatsächlich hat diese Woche uns alle etwas ruhiger gemacht.

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Warum Roland Trettl in “First Dates Hotel” gerne Amor spielt und was er Paaren in der Corona-Zeit rät, verrät er im Interview.

Am Montag (20. April, 20:15 Uhr) startet das neue Format “First Dates Hotel” als Ableger der VOX-Datingshow “First Dates – Ein Tisch für zwei”. Gastgeber Roland Trettl (48) und sein bekanntes “First Dates”-Team begrüßen Singles in einem französischen Boutique-Hotel zu einem Blind Date in Urlaubsstimmung. Nach einem Abendessen können sie sich entscheiden, ob sie sich im Hotel besser kennenlernen wollen. Im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news erzählt Roland Trettl, warum er gerne Amor spielt und welche Kennenlerngeschichte ihn aus “First Dates” am meisten berührt hat. Zudem spricht er über seine derzeitigen Koch-Videos auf Instagram und hat einen Rat für Paare in der Corona-Zeit.

Mit “First Dates” sind Sie bereits Teil eines erfolgreichen Dating-Formats. Was erwartet die Zuschauer beim Ableger “First Dates Hotel”?

Roland Trettl: Sie erwartet eine bezaubernde Reise in die Provence und viele Singles, die wirklich auf der Suche nach der Liebe sind und sich hoffentlich verlieben – in einer Kulisse, die bestens dafür geeignet ist. Für uns ist es der nächste Schritt, “First Dates” ist ein erfolgreiches Format, in dem ein Date für zwei Stunden in einem Restaurant stattfindet. In einem Hotel kann man sich besser und womöglich schon vor dem Date kennenlernen. Nach einem Essen hat man am Pool oder – vielleicht für die ganz Schnellen – auf dem Zimmer Zeit, sich besser kennenzulernen.

Was ist das Besondere am Kennenlernen in Urlaubsstimmung?

Trettl: Man steigt in einen Flieger gen Süden und kommt an einen Ort, an dem das Wetter besser ist, die Gerüche anders sind und die Menschen einen mit einem Lächeln empfangen. Natürlich verliebt man sich unter solchen Umständen leichter, das habe ich öfter schon selbst erlebt. Ich habe fünf Jahre auf Mallorca gelebt und den Zauber des Südens lange Zeit miterlebt.

Was macht Ihnen bei Ihrem Einsatz als Amor am meisten Spaß?

Trettl: Das Gastgeber-Dasein und die Psychologie hinter den Begegnungen. Ich liebe es, die Menschen zu beobachten, wie unterschiedlich ihre Herangehensweise ist, sei es zurückhaltend, schüchtern, redselig, charmant oder uncharmant. Das Witzige ist, dass jeder Mensch mit derselben Intention zu uns kommt, nämlich dass er nicht mehr alleine sein möchte. Und doch geht jeder so anders vor, was mich fasziniert. Ich bin immer wieder erstaunt, wie komisch sich Menschen manchmal anstellen können (lacht).

Doch es gibt auch Erfolgsgeschichten. Welches Erlebnis aus “First Dates” hat Sie bisher am meisten berührt?

Trettl: Es ist bis heute die Mutter, die mir vor zwei Jahren mit Tränen in den Augen auf der Straße begegnet ist und sich so gefreut hat, dass wir die richtige Partnerin für ihren Sohn gefunden haben. Die beiden wollen jetzt sogar im Sommer heiraten. Diese Nachhaltigkeit, die wir für die Menschen schaffen, die uns nie vergessen werden, ist etwas Wunderbares. Ich habe mittlerweile ein Gespür dafür entwickelt, ob es zwischen zwei Menschen passt. Bei einem Date habe ich einmal nach fünf Minuten in die Kamera gesagt, dass die beiden heiraten werden. Eineinhalb Jahre nach ihrem ersten Date kamen sie wieder zu uns und er hat um ihre Hand angehalten.

Derzeit müssen viele Paare viel Zeit auf engstem Raum miteinander verbringen. Haben Sie einen Tipp für sie?

Trettl: Es ist ein guter Test. Man sagt ja auch: Wenn du mit jemandem zusammen bist, dann mache mit ihm zwei Wochen Urlaub, dann weißt du, ob es wirklich der richtige Mensch für dich ist. Die Paare, die sich jetzt verkrachen, nur weil man viel Zeit miteinander verbringt, passen sowieso nicht zusammen. Grundsätzlich rate ich jedem derzeit, nicht den Kopf in den Sand zu stecken. Ich habe mich entschlossen, dass ich mich mit Menschen, die rund um die Uhr gefrustet sind, erst gar nicht mehr unterhalten möchte. Was in der Zukunft kommt, wissen wir alle nicht. Was wir wissen ist, dass wir alle einmal sterben werden, aber deshalb kann ich doch jetzt nicht Trübsal blasen. Das ist für mich eher Grund genug, so intensiv wie möglich zu leben. Das muss man in dem Fall auch so sehen und sich darüber freuen, dass man gezwungen wird, gemeinsam Zeit zu haben. Jetzt ist der Zeitpunkt, kreativ zu werden, zusammen zu kochen, sich auszutauschen oder gemeinsame Projekte zu entwickeln.

Sie selbst verbringen Ihre Zeit in der Küche und bieten Rezepttipps in Instagram-Videos, die ihre Frau filmt. Wie kam es zu der Idee?

Trettl: Alles fing an mit einer Bolognese. Meine Frau meinte, dass wir das Kochen auf Instagram und Facebook mit den Leuten teilen und ihnen in Corona-Zeiten eine Freude bereiten könnten. Das Ganze ging durch die Decke und wir haben in kürzester Zeit 1,5 Millionen Menschen auf Facebook erreicht. Seitdem ist halb elf unsere gemeinsame Kochzeit, meine Frau ist die Kamerafrau und moderiert die Aktion. Was ist authentischer als eine Moderatorin, mit der du täglich das Bett teilst (lacht).

Was ist Ihr persönliches Rezept-Highlight?

Trettl: Mittlerweile haben wir an die 25 Gerichte zusammen, einen bestimmten Favoriten habe ich nicht. Ich bin jeden Tag immer wieder überrascht, wie gut ich kochen kann (lacht). Gestern habe ich Gyozas, japanische Teigtaschen gemacht, die waren sensationell. Heute gab es ein Tiramisu der etwas anderen Art, mit Himbeersirup, Gin und Himbeerpulver. Mir ist wichtig, dass die Gerichte gut zuhause nachgekocht werden können. Natürlich darf ein Einkauf nicht fehlen, aber ich verwende jetzt keinen Atlantik-Steinbutt, Bouchot-Muscheln aus Italien oder die Gambas aus Spanien. Es sind Lebensmittel, die ich vor der Haustür in einem normalen Lebensmittelhandel bekomme.

Wie wirkt sich die Corona-Krise auf Sie persönlich aus?

Trettl: Auf mich derzeit noch nicht stark. Ich habe keine Mitarbeiter und kein Restaurant, um die ich bangen müsste. Aber ich beobachte Kollegen aus der Gastronomie und man merkt, wie es einigen etwas gebracht hat, in den letzten Jahren in sozialen Netzwerken aktiv gewesen zu sein und sie nicht verteufelt zu haben. Sie sind jetzt klar im Vorteil. Facebook und Instagram können nun genutzt werden, um Lieferservices anzubieten und zu bewerben.

Was wünschen Sie sich für die kommende Zeit?

Trettl: Ich wünsche mir, dass wir alle etwas daraus lernen. Dass wir wieder zusammenhalten, nicht jeder mit dem Finger auf den anderen zeigt und sich jeder auf sich selbst besinnt – das fängt bei der Politik an. Wenn aus Bayern die Kritik kommt, dass die Österreicher einige Maßnahmen wieder lockern, würde ich mir wünschen, dass sich jeder um seinen eigenen Kram kümmert. Für Corona weiß keiner das perfekte Rezept. Deshalb sollte jeder mehr auf sich schauen und andere nicht anprangern. Das gilt auch für die Frage nach Schuldigen. Menschen in Ischgl verantwortlich zu machen, finde ich eine Frechheit. Das bringt uns nicht weiter. Ich hoffe, die Diskussionen haben bald ein Ende.

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