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Bei deutschen Exportschlagern denken die meisten an Autos und Maschinenteile. Dabei erlebt gerade eine ganz andere Branche einen regelrechten Boom im Ausland: Kosmetik made in Germany.

Der Hype hat in Korea begonnen: Ob in Magazinen oder auf Social-Media-Kanälen – fast überall wurden vor drei, vier Jahren unter dem Schlagwort “K-Beauty” lustige Schaummasken und 10-Schritte-Pflege-Routinen gefeiert. Dann ging die Reise weiter nach Japan. An “J-Beauty” faszinierten alte Pflege-Traditionen mit für uns neuen Doppelreinigungs- und Befeuchtungsritualen. Und nun? Nun rufen Blätter wie die “New York Times” doch tatsächlich das Zeitalter der “G-Beauty” aus. G für Germany. Die Beliebtheit deutscher Kosmetik spiegelt sich auch im Umsatz wider: Mehr als neun Prozent Wachstum im Export vermeldet der Industrieverband Körperpflege und Waschmittel für die Kosmetikindustrie im vergangenen Jahr. Und das, obwohl wir im Ausland ja eher für Natürlichkeit als für große Kosmetik-Kultur stehen. Aber in Zeiten, in denen die Menschen weltweit für Klimaschutz auf die Straße gehen, überall Biomärkte aus dem Boden sprießen und beinah alle Unternehmen versuchen, sich einen cleanen, natürlichen Anstrich zu verpassen, ist das vielleicht doch gar nicht so verwunderlich.

Viel Erfahrung mit Natürlichkeit

Deutschland ist tatsächlich reich an exportstarken Naturkosmetik- und Heilkunde-Marken, etwa Weleda, Lavera, Dr. Hauschka, Primavera, Annemarie Börlind oder Kneipp. “Wir haben den reifsten und größten Naturkosmetikmarkt Europas. So viel langjährige Erfahrung gibt es nirgendwo sonst”, sagt Elfriede Dambacher, die als Branchenkennerin Naturkosmetikfirmen von Berlin bis New York berät. “Und das kommt uns jetzt weltweit zugute aufgrund der anhaltenden Nachfrage nach milderen und natürlicheren Produkten.”

Hilfreich ist natürlich auch, wenn sich Prominente wie Jennifer Aniston und Julia Roberts öffentlich zu ihrer Liebe zu Naturkosmetik von Dr. Hauschka bekennen. Auch die Skin-Food-Linie von Weleda ist Dank der Empfehlung von Promi-Make-up-Artisten und deren Klienten in den USA schon Kult. Bereits mehr als 80 Prozent des Wachstums erzielt Weleda mit Naturkosmetik außerhalb deutschsprachiger Länder. Allein in den USA ist das deutsch-schweizerische Unternehmen 2018 um fast 37 Prozent gewachsen. “Zwar wurde der Geschäftsbericht 2019 noch nicht präsentiert, aber der Trend dürfte weiter nach oben zeigen”, sagt Tassja Dâmaso, PR-Managerin bei Weleda. “Wir stehen seit jeher für echte Naturkosmetik und hohe Qualität, aber der G-Beauty-Trend spielt uns sicherlich auch in die Karten.”

Chinesen misstrauen eigenen Produkten

Vom hohen Ansehen der deutschen Naturkosmetiktradition profitieren auch jüngere Unternehmen wie die Nahrungsergänzungsmarke Ogaenics. Das 2016 von den Hamburgerinnen Suse Leifer und Claudia Seehusen gegründete Unternehmen setzt auf Supplements aus Biopflanzen. Schon kurz nach dem Launch der ersten Produkte 2016 bekamen sie eine Anfrage aus Hongkong. Brenda Lee, Gründerin von Beyorg, der mit acht Filialien führenden Naturkosmetikkette Hongkongs, ist schon lange auf der Suche nach einer Supplement-Marke aus Europa, um ihr Sortiment zu erweitern. Leifer und Seehusen sagten begeistert zu. Inzwischen macht das Geschäft in Hongkong und China bereits 30 Prozent des Umsatzes von Ogaenics aus.

“Nahrungsergänzungsmittel sind in China und Hongkong ein großes Thema”, erzählt Leifer. “Die Chinesen leiden sehr unter der starken Umweltverschmutzung in ihrem Land, aber misstrauen ihren eigenen Produkten. Die Tatsache, dass wir made in Germany sind, bildet neben unserer Qualität also sicher die Grundlage unseres Erfolgs dort.” Dass das Vertrauen in deutsche Produkte in Asien größer ist als in die eigenen, zeigt auch der rege Handel mit dem Koffeinshampoo Alpecin in chinesischen Onlineshops. Volles Haar ist chinesischen Männern nämlich ausgesprochen wichtig. Deshalb wird das Shampoo teilweise sogar in großen Mengen in Deutschland eingekauft und dann in China zu überteuerten Preisen verkauft – zusammen mit der deutschen Drogerie-Quittung, als Beweis für die Herkunft.

Um für den Ansturm aus China gewappnet zu sein, haben Drogerien wie die im Frankfurter Hauptbahnhof bereits ihren Vorrat massiv aufgestockt. Und das, obwohl es Alpecin bereits regulär in China zu kaufen gibt. “Es geht darum, deutlich zu machen, dass alle unsere Produkte, die im Ausland im Regal stehen, made in Germany sind”, sagt Eduard Dörrenberg, geschäftsführender Gesellschafter der Firma Dr. Wolff, zu der Marken wie Alpecin, Plantur und Linola gehören. Um die Expansion in Asien voranzutreiben, ist Dörrenberg für vier Jahre mit seiner Familie von Bielefeld nach Singapur gezogen. “2018 konnten wir unser Geschäft dort im Vergleich zum Vorjahr verdoppeln. Und auch in diesem Jahr sieht es in China, aber genauso in Osteuropa nach einem weiteren Rekordergebnis aus.” Wie er sich den großen Erfolg erklärt? “Mit unserer Effektivität. Wir stehen für German Engineering. Damit werben wir international on- und offline.”

Punkten mit deutscher Gründlichkeit

Womit wir neben unserer Naturkosmetik-Tradition im Ausland nämlich noch punkten, ist die Sicherheit unserer Produkte. “Wir sind sehr gut strukturiert, deshalb sind hier auch so viele Zertifikate und Siegel entstanden”, sagt Branchenexpertin Dambacher. “G-Beauty hat so einen hohen Wert in der Welt, weil wir die Dinge seriös und gründlich machen. Natürlich profitieren wir da auch ein bisschen von Klischees.” Welche Creme Dermatologen in den USA am liebsten empfehlen? Eucerins “Aquaphor Repair Salbe”, 55 000 Stück verkauft die Hamburger Beiersdorf-Tochter täglich in den USA. Die Verbindung aus Effektivität, Knowhow und natürlichen Inhaltsstoffen funktioniert auch ganz ausgezeichnet im Luxussegment.

Marken deutscher Ärzte und Wissenschaftler, beispielsweise die von Dr. Barbara Sturm, Royal Fern und Dr. Augustinus Bader, verkaufen sich trotz hoher Preise wie geschnitten Brot. Selbst in Luxushotels von Dubai bis New York lassen sich Anwendungen made in Germany buchen, unter anderem von Dr. Babor. “In den USA und Asien sorgen unsere Ampullen gerade für Aufsehen, unsere Grand-Cru-Ampullen-Edition konnte im vergangenen Jahr den Asia Spa Award gewinnen als bestes neues Produkt”, erzählt Michael Schummert, Geschäftsführer von Dr. Babor. “Wir waren bisher mit dem Absender made in Germany eher zurückhaltend in der Kommunikation. Wie gut das ankommt, darauf haben uns erst unsere Kollegen in den USA aufmerksam gemacht.”

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