Zoe Wees, 18, Sängerin, litt bis vor drei Jahren an Epilepsie. Aktueller Status: Ist noch auf dem Weg, ihrem Körper wieder zu vertrauen. 

“Das Äußere ist das Äußere, es ändert nichts am Menschen. Ich habe immer eine Jogginghose an und irgendeinen Pulli – egal wo. Natürlich kann man sich trotzdem schmücken. Ich finde es cool, wenn man stylish aussieht. Ketten und Haarstyling – das ist mir wichtig, nicht um jemanden zu beeindrucken, sondern weil ich mich so am wohlsten fühle. Klar, manchmal habe ich dieses kleine Mädchen im Kopf, das sagt ,Du bist nicht gut genug‘ – das kennt doch jede, egal, wie alt man ist –, aber so all in all sehe ich schon gern in den Spiegel.

Seid doch bitte weniger hart zu euch selbst

Das war nicht immer so: Mit neun Jahren bin ich an Rolando-Epilepsie erkrankt, eine Form von Epilepsie bei Kindern und Jugendlichen. Zu Anfang hatte ich jeden Tag Anfälle, dann wurden es weniger. Ich habe schon beim Aufwachen gewusst, heute ist noch so ein Scheißtag. Selbstakzeptanz oder gar Selbstliebe waren da sehr weit weg. Als ich 15 war, haben die Anfälle aufgehört; die Krankheit ist verheilt, aber sie ist immer noch in meinem Kopf. Ich habe immer noch dieses Gefühl, dass ein Anfall kommt. Mein ganzer Körper ist dann taub geworden, ich habe die Kontrolle über ihn verloren. Ich bin noch auf dem Weg, ihm wieder zu vertrauen.

Und trotzdem: Die Krankheit hat mich auch stärker gemacht. Sie hat mir gezeigt, was wirklich wichtig ist; ohne sie wäre ich heute nicht da, wo ich jetzt bin. Eigentlich ist meine Musik alles, was ich brauche. Mit ihr fühle ich mich wohl, kann Ängste rauslassen und Dinge verarbeiten. Als ich meinen ersten Song geschrieben habe, habe ich mir laut gesagt, wie sehr ich mich liebe. Natürlich ist das unnormal komisch, aber dein Körper glaubt ja nur dir. Was von außen kommt, wirst du niemals checken. Du musst dich nicht sofort lieben, das braucht Zeit, aber Akzeptanz ist der Schlüssel zum richtigen Leben.

Sicher ist die für meine Generation besonders schwer. Auf Social Media sieht man ja nur das Perfekte – und stellt sich selbst infrage. Das tut mir im Herzen weh. Ich möchte anderen jungen Menschen gern sagen: Seid doch bitte weniger hart zu euch selbst. Wir sind doch alle wunderschön, wie wir sind!”

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Source: https://www.brigitte.de

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